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Zu Besuch bei Tante Lotti

Beitragsbild-Tante-Lotti

Auf der Suche nach außergewöhnlichen Hotels, Hostels und Pensionen verschlug es mich dieses Mal nach Meckenheim. Meckenheim ist ein kleiner Ort bei Bonn und dort im Vorort Lüftelberg – hier kommt übrigens passenderweise der aus dem TV bekannte Trödelking her – betreibt eine ganz liebenswerte Dame die Pension „Tante Lotti“.

Tante Lotti und ihre Raritäten

Willkommen bei "Tante Lotti"

Schon vor Betreten des Innenhofs erschlägt mich (im positiven Sinne) die Vielzahl an Raritäten und alten Schätzen, die Tante Lotti und ihr Mann in den vergangenen Jahrzehnten zusammen getragen haben. Ein altes Mofa, über 100 Jahre alte Heizkörper (allesamt noch intakt!), fast ebenso alte Telefone (die ebenfalls noch voll funktionstüchtig sind), alte Singer Nähmaschinen und und und. Ein paar Preisschilder und man hätte das Gefühl, den wohl spannendsten Flohmarkt aller Zeiten entdeckt zu haben.

Nach der ersten Bewunderung bringt mich die Inhaberin auf die erste Etage. Die Zimmer haben Namen wie „Jörgs Sperlingsruh“, „Franks Meisengarten“ oder „Utes Schnarchsack“. Ich selbst werde in „Sonjas Spatzennest“ übernachten: ein sehr geräumiges Doppelzimmer (ebenfalls voller Raritäten aus sämtlichen Jahrzehnten der letzten 150 Jahre) mit einem noch größeren Bad.

Sonjas Spatzennest

Sonjas Spatzennest

Später – auf einem Rundgang durch das Haus aus dem 17. Jahrhundert – erzählt mir Tante Lotti, dass sie selbst früher hier gewohnt hat. Nach dem Ausbau der Scheune zum Wohnhaus (wo sie heute mit ihrem Mann wohnt), hat sie aus dem Elternhaus eine Pension gemacht, die sie seit 1997 führt.

Die Küche sei aber nicht alt, meint Tante Lotti, als sie mich durch das ganze Haus führt. Dafür aber das Porzellan, das fein säuberlich gestapelt in der Ecke steht. „Das wird aber nicht genutzt, könnte ja was kaputt gehen.“, sagt sie mit einem Schmunzeln. „Wäre doch zu schade.“

Der Eingang zur Pension "Tante Lotti"

Der Eingang zur Pension “Tante Lotti”

Überall hängen Zeitungssausschnitte, die über die Pension berichten. Auf einem ist ihr Mann zu sehen, der der lokalen Presse stolz den über 100 Jahre alten Heizkörper zeigt – wie gesagt voll funktionstüchtig und angeschlossen.

Welche Raritäten sich wohl im Inneren verbergen?

Welche Raritäten sich wohl im Inneren verbergen?

Wir sprechen noch lange und Tante Lotti lädt mich ein, mir am nächsten Tag ihre restlichen Altertümchen im Gesellschaftsraum zu zeigen. Für mich heißt es am Abend dann erst einmal ab zu meinem Termin.

Frühstück mit Tante Lotti

Als ich am nächsten Morgen den Wecker ausschalte, habe ich hervorragend geschlafen. Unten höre ich bereits Tante Lotti in der Küche. Frühstück hatten wir für 08.00 Uhr verabredet. Als ich im Frühstücks-/Aufenthaltsraum ankomme, steht bereits fast alles auf dem Tisch. „Aufschnitt fehlt noch, das mache ich alles frisch. Und Kaffee bringe ich Ihnen noch.“, sagt sie und huscht zurück in die Küche.

Aufenthalts- und Frühstücksraum

Aufenthalts- und Frühstücksraum

Doch ich komme erst einmal nicht zum Frühstück, wieder kommen wir ins Gespräch über dies und das und meine Arbeit. Ob ich Hotels teste, will sie wissen. Später gebe ich ihr ein Kärtchen, damit sie diesen Beitrag nachlesen kann. „Wir sind noch von der alten Schule, haben kein Internet. Aber meine Enkel, die können das dann lesen.“

Zum Frühstück gibt’s frische Brötchen, Aufschnitt, Marmelade, Kaffee und ein gekochtes Ei. Orangensaft und Joghurt steht ebenfalls bereit. Eben alles, was man zum Frühstücken braucht.

Tante Lottis "Rezeption"

Tante Lottis “Rezeption”

Ja, es funktioniert!

Ja, es funktioniert!

Nach dem Frühstück dann der zweite Rundgang, dieses Mal durch den Gesellschaftsraum. Auch hier Raritäten, Schätze und Altertümchen – allesamt uralt, teilweise mehrere Jahrhunderte alt: Schränke, uralte Bügeleisen, Additionsmaschinen, zwischendrin Super 8 Kameras und Porzellan, mit dem man den Hausstand des halben Dorfes ausstatten könnte. Es herrschen fast tropische Temperaturen, die uralten Heizkörper funktionieren wirklich tadellos.
Bevor ich abreise, sitze ich noch ein Stündchen in einem der alten Sessel und arbeite – was man so ohne Internet arbeiten kann. ;)

Mein Fazit

Die Pension „Tante Lotti“ und vor allem die liebenswürdige Inhaberin sind wirklich außergewöhnlich. Wer einmal im Raum Köln/Bonn unterwegs ist, sollte ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten. Auch wenn es den einen oder anderen Eintrag im Internet gibt, eine eigene Website hat Tante Lotti nicht. Also am besten auf dem „altmodischen“ Weg und zum Hörer greifen… (Pension “Tante Lotti” auf Yelp)

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