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Das Andere Haus VIII – über Nacht in Einzelhaft

DAS ANDERE HAUS VIII

Kuriose Hotels ziehen mich magisch an. ;) So auch dieses Mal, als es nach Berlin ging. Dort hörte ich von einem ehemaligen Arresthaus, das von den heutigen Besitzern in ein kleines Hotel umgebaut wurde. Nichts wie hin also in “Das Andere Haus VIII“…

Eingang von "Das Andere Haus VIII"

Eingang von “Das Andere Haus VIII”

Historie

DAS ANDERE HAUS VIII gehört zu einem Komplex zahlreicher Gebäude, die in den Jahren 1877 bis 1879 als Arbeitshaus und Rehabilitätseinrichtung für Schwererziehbare und Haftentlassene errichtet wurde. Haus VIII hatte innerhalb dieses Komplexes die Funktion eines “Arrest- und Einzelhafthauses für männliche Corrigenden”. Später – zur Zeit des Nationalsozialismus – wurden hier auch “unerwünschte und minderwertige Personen” eingewiesen. In der DDR dann wurde das Areal ummauert und als Straf-Vollzugs-Einrichtung (“StVE Rummelsburg”) eingerichtet. Das ehemalige Arresthaus wurde Krankenstation und bekam die Bezeichnung “HAUS VIII”. Nach dem Mauerfall wurden hier führende SED-Politiker wie Erich Honecker und Erich Mielke untergebracht.

Anknüpfend an die schwere Geschichte des Hauses haben die heutigen Besitzer das Gebäude nach der Renovierung 2006/2007 in “DAS ANDERE HAUS VIII” umbenannt.

Das Andere Haus VIII

Belegungsplan mal anders

Belegungsplan mal anders

Als ich in Berlin ankomme, ist es kurz vor Mitternacht. Fast eine Stunde später als angekündigt. Kurz nachdem die Türklingel ertönt, öffnet mir die Inhaberin auch schon und flüstert, sie habe schon befürchtet, ich käme nicht mehr. Sie wollte gerade zu Bett gehen. Obwohl es schon spät ist, nimmt sie sich trotzdem die Zeit, mir die Geschichte des Hauses kurz zu erzählen. Dann zeigt sie mir meine Zelle für die kommende Nacht. Die “gelbe Zelle” wird es sein, so steht es auch am schwarzen Brett.

Wie es sich für ein ehemaliges Arresthaus gehört, ist die “Zelle” klein und spartanisch eingerichtet. Zwei einzelne Betten, zwei kleine Hocker, ein Tisch, Garderobe, zwei Hängelampen. Sonst nichts. Passend zum Arresthaus ist kühles Metall das vorherrschende Material. Die gelbe Farbe, die meiner Zelle ihren Namen gibt, wurde direkt auf den Putz gestrichen, der wiederum an der Decke gänzlich fehlt und so den Blick auf das alte Gemäuer frei gibt.

Die gelbe Zelle

Die gelbe Zelle

Damit jede Zelle auch ein eigenes Bad hat, wurden in den heutigen “Hotel-Zellen” jeweils eine Wand zur Nachbarzelle durchbrochen. Im Bad herrschen schlichte Farben vor, Waschbecken, Toilette, Dusche, Handtuchhalter… eben alles, was man in Einzelhaft so braucht. ;)

Das Bad

Das Bad

Nachdem die Inhaberin und ich uns verabschiedet haben, richte ich mir meine Zelle ein (sämtliche Möbel lassen sich verschieben bzw. sind auf Rollen, so dass man sie hin und her rollen kann – wie man es eben braucht) und gehe schlafen. Bei geöffnetem Fenster höre ich die Rummelsburger Bucht. Auf den tollen Ausblick in den Garten muss ich noch bis zum Morgen warten:

Blick in den Garten

Blick in den Garten

Die Bücherecke im ANDEREN HAUS VIII

Die Bücherecke im ANDEREN HAUS VIII

Ich habe geschlafen wie ein Stein. Die dicken Mauern der ehemaligen Haftzellen tun Ihr Übriges – es herrscht absolute Stille, man hört rein gar nichts und bekommt auch von den “Mitinsassen” der “Nachbarzellen” nichts mit.

Bevor ich mich zum “Starter-Frühstück” aufmache, stöbere ich noch ein wenig in der Bücher-Ecke: von Literatur über Berlin über Sudoku bis hin zur DDR-Geschichte ist alles dabei.

In der Küche wartet die Nespresso-Maschine bereits auf mich. Neben Kaffee gibt’s Orangensaft und einen Müsliriegel. Ein “Starter-Frühstück” eben – gerade genug, um nicht mit leerem Magen das Haus verlassen zu müssen. Zum Glück hatte mir die Inhaberin bereits am Abend 1,2 Tipps gegeben, wo ich lecker frühstücken kann – zum Beispiel beim “Lila Bäcker” gleich um die Ecke.

Mein Fazit

(N)ostalgie

(N)ostalgie

Wer mal in einem Haus mit Geschichte übernachten will, ist im ANDEREN HAUS VIII genau richtig. Die Inhaber, die übrigens ebenfalls mit im Gebäude wohnen, haben alles dafür getan, dass Gäste die lange und schwere Geschichte immer noch spüren können. Wer viel “Schischi” braucht, ist fehl am Platz – aber sind wir mal ehrlich… Luxus wäre in einem ehemaligen Arresthaus auch wirklich unangebracht, oder? Das “Starter-Frühstück” ist nicht unbedingt jedermanns Sache, aber auch das macht die Nacht in einem ehemaligen Gefängnis erst zu einer runden Sache.

Bus und S-Bahn Richtung Berlin Zentrum erreicht man bequem zu Fuß (5 bzw. 15 Min.), so dass man das Auto stehen lassen kann. #andersschlafen im ANDEREN HAUS VIII – mir hat’s gefallen!

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