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CasAnus – Nachts im Museum oder: Wie schläft es sich in einem Darm?

Beitragsbild-CasAnus

Der menschliche Körper ist ja schon faszinierend. Erinnert Ihr Euch noch an Filme wie “Die phantastische Reise” oder “Die Reise ins Ich”? Menschen, die verkleinert und mit einem U-Boot auf eine Reise durch den Körper eines Menschen geschickt werden…?! So ähnlich kam ich mir in CasAnus vor. Aber der Reihe nach…

Verbeke Foundation

Dieses Mal ging es nach Belgien, genauer gesagt nach Stekene, einer kleinen Gemeinde mit etwa 17.500 Einwohnern, ca. 30km westlich von Antwerpen. Neben einem neogotischen Gemeindehaus und “de heilige Kruiskerk” gibt es in Stekene nichts zu besichtigen. Doch da gibt es noch das zur Gemeinde Stekene zählende kleine Dorf Kemzeke, das vor allem Liebhaber skurriler und zum Teil morbider Kunst in die Verbeke Foundation lockt.

Von Antwerpen kommend, liegt die Verbeke Foundation direkt an der A11 Richtung Brügge. Vorteilhaft, weil man beim Vorbeifahren sofort merkt, dass man die Ausfahrt verpasst hat. ;) Die Verbeke Foundation ist eine Stiftung, die die private Kunstsammlung von Geert Verbeke verwaltet. Dieser war wohl früher Logistik-Unternehmen, bevor er sich voll und ganz auf die Kunst konzentrierte.

Und auf eben diesem Gelände befindet sich ein Kunstwerk des Künstlers Joep van Lieshout. Der Name des Kunstwerks: CasAnus. Der Name ist Programm, denn es handelt sich bei diesem Kunstwerk um die Nachbildung des menschlichen Darms, indem man übernachten kann. DAS wollte ich mir unbedingt ansehen…

CasAnus - der menschliche Darm als Kunstwerk

CasAnus – der menschliche Darm als Kunstwerk

CasAnus – meine erste Nacht in einem Darm

Die Reservierung erfolgt per E-Mail oder Telefon. Als Garantie sind 50% fällig (€ 60,00). Wer auf dem Gelände übernachten möchte, muss bis 18.00 Uhr anreisen, da das Museumsgelände um diese Uhrzeit schließt. Notfalls kann man auch später anreisen, da das Kunstsammler-Paar ebenfalls auf dem Gelände wohnt.

Dass man unter Künstlern ist, merkt man gleich bei Anreise. Alles läuft extrem entspannt und freundlich. Die Frau des Kunstsammlers erklärte mir mit Hilfe eines Lageplans, wo ich meinen Wagen parken kann und führte mich dann zu CasAnus. Das Kunstwerk liegt ziemlich zentral auf dem Gelände, auf einer Halbinsel in einem (künstlich angelegten?) See.

Als ich davor stand, musste ich unwillkürlich lachen. Es ist schon ziemlich absurd: nicht am Ar… der Welt, sondern… aber lassen wir das. ;)

CasAnus - Blick auf den Eingang

CasAnus – Blick auf den Eingang

CasAnus von außen

CasAnus von außen

Nachts im Museum

Da das Museum um 18.00 Uhr schließt, bekommt man einen Schlüssel und eine Taschenlampe, so dass man jederzeit aufs Gelände kommt. Das besondere Highlight, das einem durchaus kleine Schauer auf den Rücken jagen kann: Gäste können nachts durch die Ausstellung gehen. Aber Vorsicht, die Kunst, die hier ausgestellt ist, ist seeehr skurril und teilweise morbid: in durchsichtigen Plastikkubussen liegen verwesende Kuhköpfe und an Schreibtischen sitzen Hasen, die zu schreiben beginnen, sobald man sich dem Tisch nähert. Im Dunkeln eine echte Herausforderung.

Das Gelände der Verbeke Foundation ist etwa 12ha groß und wie das Kunstsammler-Paar selbst sagt

“unvollendet, in Bewegung, ungeschliffen, widersprüchlich, unordentlich, komplex, unharmonisch, wie die Welt außerhalb der Museumsmauern.”

Ob im Dunkeln oder bei Tag, ein Rundgang lohnt allemal. Da entdeckt man Rettungskapseln, Häuser, die nur aus Fenstern bestehen, verbrannte Pferde (aus Drahtgestell und Bauschaum) und verlassene Wohnwagen neben gackernden Hühnern. Pferdeskelette, die wie Dinosaurier aufgehangen wurden und jede Menge skurriler Dinge mehr.

Haus aus Fenstern

Haus aus Fenstern

Und der Hase schreibt und schreibt und schreibt...

Und der Hase schreibt und schreibt und schreibt…

Ich gebe zu, nicht ganz meine Kunst, aber dennoch sehenswert.

Eine Nacht fast wie Camping

Nachts hat das Ganze schon eine besondere Atmosphäre. Durch die Lage direkt am See fühlt es sich ein bisschen wie Camping an – nur eben ohne Zelt: man hört den Wind, das Wasser und in der Ferne auch ab und zu mal einen Uhu.

CasAnus bei Nacht

CasAnus bei Nacht

Das Innere von CasAnus ist geräumiger als man denkt. Jede Menge Stellfläche, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Doppelbett und sogar an Steckdosen wurde gedacht (mehr als in manch einem Hotel ;) ).

CasAnus - Das Doppelbett

CasAnus – Das Doppelbett

Die Nacht in CasAnus war wirklich bequem. Der Kunstsammler höchstpersönlich brachte gegen 09.00 Uhr das Frühstück in einem Picknickkorb: Brötchen, Weckchen, Butter, Wurst, Käse, Marmelade, Kaffee und Tee – ausreichend und lecker.

Frühstück ist da!

Frühstück ist da!

Frühstücken im Darm ;)

Frühstücken im Darm ;)

CasAnus – eine Reise wert, aber nicht im Winter

Dieses menschliche Kunstwerk ist definitiv einen Ausflug wert. Wenn es Euch mal nach Antwerpen oder Brügge verschlägt, solltet Ihr CasAnus zumindest mal einen Besuch abstatten. Wer darin übernachten will, dem seien die Sommermonate oder zumindest wärmere Frühlings- und Herbsttage empfohlen, da CasAnus über keine Heizung verfügt. Ein kleines Elektro-Öfchen ist zwar da, dürfte aber im Winter nicht ausreichen.

Mein Fazit: in CasAnus kann man definitiv #andersschlafen! ;)

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